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23.2., 19h: Männliche Gewaltbereitschaft und Amok vor dem Hintergrund einer sich zuspitzenden kapitalistischen Krisendynamik - Vortrag von Leni Wissen


Leni Wissen wird ihren Vortrag zum Krieg zwischen Russland und der Ukraine vom Mai 2022 weiterführen und die globalen Erscheinungen einer zunehmenden Verrohung und Gewaltbereitschaft in den Blick nehmen. Dabei soll gezeigt werden, wie gerade in einer Dynamik, die Menschen immer abhängiger werden lässt von den globalen Krisenprozessen, die eigene Autonomie, die eigene Freiheit umso heftiger verteidigt werden muss. Das sich als frei und autonom wähnende (männliche) Subjekt ist immer ‚abhängiger‘, ausgelieferter, ohnmächtiger und ist darum umso mehr gezwungen, die eigene Autonomie unter Beweis zu stellen – und dies zur Not auch unter Anwendung von Gewalt. Dabei ist es nicht zufällig, dass Männer häufiger ‚Täter‘ und Frauen häufiger ‚Opfer‘ von Gewalt sind.

Die angedeutete Zunahme von Gewaltbereitschaft dürfte dabei leider ein globales Phänomen sein. Während sich hierzulande die wachsende Gewaltbereitschaft noch eher in einer aggressiver werdenden Rhetorik (z.B. bei den Querdenkern, Verschwörungsideolog*innen, aber auch in der Rhetorik von Politker*innen) zeigt, wobei auch hier wie in anderen europäischen Ländern eine Zunahme von rassistisch, sexistischer, antisemitisch motivierter Gewalt zu beobachten ist, eskaliert die Gewalt in ärmeren und noch krisengeschüttelteren Teilen der Welt immer offener und begleitet den Alltag von Menschen schon länger. So wird immer wieder von Femiziden vor allem aus Brasilien, Indien oder Südafrika berichtet, aber auch die Gewaltexzesse innerhalb von Bandenkonflikten in Zentralamerika und die weiter an der Tagesordnung stehenden Selbstmordattentaten im sog. Nahen und Mittleren Osten zeugen hiervon. Dabei können die gerade angedeuteten Phänomene sicherlich nicht über einen Kamm geschert werden: so ist die Bandenkriminalität vor allem von der Umkämpfung illegaler Märkte geprägt und von Femiziden zu unterscheiden, bei denen Männer mehr oder weniger ‚einfach so‘ – bzw. aus einer gekränkten Ehre heraus – Frauen ermorden. Beide Phänomene sind dennoch verbunden über die globale Krisendynamik und eine männliche gefärbte Krisenverarbeitung, in der Gewalt bzw. Gewaltbereitschaft eine nicht zu unterschätzende Größe darstellt.


Die Veranstaltung findet ‚hybrid’ statt, d.h. online-Teilnahme ist möglich: Anmeldung unter info [at] oekumenisches-netz.de


Ort: KHG Koblenz (Löhrrondell 1a, neben der Herz-Jesu-Kirche)


Kooperationspartner: Ökumenisches Netz Rhein-Mosel-Saar, KHG, KEB, pax christi- und Exit-Gruppe Koblenz.




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